|
Berichte 2010 |
|
Aus Siegener Zeitung vom 14.06.10 |
|
|
|
Dörte verzückte die Jury Stünzel Kreistierschau mit tausenden Besuchern / Landwirtschaft im Fokus Schwarzbunte aus dem Stall von Hans-Werner Böhl ist die Schönste im ganzen SI-WI-Land. lex ♦? Ein bunter Jahrmarkt, tausende Besucher und natürlich die große Tierschau im Mittelpunkt - das Stünzelfest des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Wittgenstein erfüllte auch bei seiner 178. Auflage alle Erwartungen und erwies sich als großer Anziehungspunkt für Besucher aus Nah und Fern. Bereits in den frühen Morgenstunden kamen die ersten Besitzer und Züchter mit ihren Tieren in der kleinen beschaulichen Ortschaft an und bereiteten diese dann noch einmal für die Jury sorgfältig vor, um möglichst alle Vorzüge auch deutlich präsentieren zu können. Dann war der große Moment gekommen, unter den wachsamen Augen der Wertungskommission wurden alle Tiere genaustens unter die Lupe genommen und mussten bewertet werden. Nicht immer war die Entscheidung dabei einfach, schließlich präsentierten sich viele hochkarätige Exemplare von besonders erfahrenen Züchtern auf dem Stünzelfest. Bei einer Entscheidung dagegen waren sich die Richter aber besonders schnell einig und dies war ausgerechnet der begehrteste Titel: Zur neuen Miss Siegen-Wittgenstein, also der schönsten Milchkuh der drei Rassen Schwarzbunt, Rotbunt und Rotvieh wurde Dörte aus dem Stall von Hans-Werner Böhl aus Balde gewählt. Die fünfjährige Schwarzbunte konnte bereits zwei Mal den Titel Siegerkuh Jung auf der Kreistierschau erringen und holte bei der DHV-Schau in Oldenburg sogar den dritten Platz. „Es ist das erste Mal, dass wir den Miss-Titel mit nach Hause nehmen können“, freute sich auch Iris Böhl über den Erfolg des Prachtexemplars. „Die Entscheidung für Dörte war eigentlich schon bei der ersten Bewertungsrunde gefallen“, sagte Richter Guido Simon unter dem Beifall der zahlreichen Besucher, die voller Vorfreude dieser Entscheidung entgegen gefiebert hatten. Aber nicht nur die Prämierung der Milchkühe wurde mit Spannung erwartet, auch die zahlreichen Pferde, Fleischrinder, Schafe, Ziegen, Kaninchen und Rassegeflügel wurden ebenfalls bewertet und prämiert. So gingen die Kammermedaillen bei den Stuten an Anouschka aus dem Stall von Walter und Michael Knebel (Arfeld) sowie an Valeria und Viktoria von Siegfried Wetter aus Birkelbach. Siegerstute wurde Ricci von Reinhard Schneider aus Birkelbach und der Siegerhengst Nachtregent steht im Stall der Zuchtgemeinschaft Krämer in Girkhausen. Höhepunkt der Kreistierschau war dann am frühen Nachmittag die feierliche Prämierung rund um das Festrondell. Dabei wurden die schönsten Tiere noch einmal den Besuchern gezeigt und erhielten dabei den verdienten Applaus. Rund um die Tierschau hatten wieder zahlreiche Schausteller für einen großen Jahrmarkt gesorgt, bei dem es allerhand Interessantes zu entdecken gab. Auch für den kleinen Hunger zwischendurch war natürlich vorgesorgt worden, in den großen Bratpfannen bruzzelten deftige Leckereien für die vielen Besucher. Offiziell eröffnet wurde die 178. Kreistierschau vom Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Wittgenstein, Helmut Dreisbach, wie in jedem Jahr waren dabei wieder zahlreiche Politiker und geladene Gäste anwesend, darunter auch Johannes Fritzen, der Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Helmut Dreisbach erinnerte daran, dass auf dem Stünzelfest jedes Jahr versucht werde Harmonie zu leben und dankte den vielen Besuchern, die der Landwirtschaft und dem Verein schon seit Jahren die Treue halten. Allerdings sei es nicht sicher, wie es mit der Landwirtschaft in der Region weiter gehe, so Dreisbach, der besonders die niedrigen Milchpreise monierte: „Der Milchpreis liegt weiterhin rund zehn Cent unter dem gewünschten Preis, dies können selbst die besten Betriebe auf Dauer nicht verkraften.“ Diesjähriger Festredner war Landrat Paul Breuer, der zunächst an den unverwechselbaren Charakter des Stünzelfestes erinnerte und auch das Wir-Gefühl der Region lobte. So habe die Veranstaltung auf dem Stünzelplatz eine lange Tradition und biete der Region Identität, Verwurzelung und Stabilität, dies müsse auch in Zukunft bewahrt werden. „Die heimische Landwirtschaft befindet sich in einer Form des Überlebenstrainings. Dies liegt auch an den niedrigen Milchpreisen“, sprach der Landrat ebenfalls das große Sorgenthema der heimischen Milchbauern an. Er hoffe aber, dass sich die Dinge positiv entwickeln, sonst könne dies bittere Folgen für die heimische Landwirtschaft haben. „Damit dies nicht passiert, appelliere ich an die Behörden: Unterstützt die Landwirtschaft und behindert sie nicht“, betonte Breuer abschließend. Bis in den späten Nachmittag wurde dann auf dem Stünzelfest noch ausgiebig gefeiert. Auch im nächsten Jahr wird das große Heimatfest wieder tausende Besucher anlocken, dann aber ausnahmsweise schon am ersten Juni-Wochenende, da eine Woche später Pfingsten gefeiert wird.
|